Noten

Unter den jetzt digitalisierten Handschriften befindet sich vieles, das für Orgel oder Klavier aufgeschrieben wurde, aber auch einstimmige Tanzmelodien und Lieder. Im Unterschied dazu sind die Noten aus der Staatsbibliothek vor allem Geigennoten, meist einstimmig, aber z.T. auch zweistimmig gesetzt. Einige Stücke haben zusätzlich eine Bass-Stimme.

Dahlhoff = typisch westfälisch?

Was ist dann mit den musikalischen Parallelen, die inzwischen vielfach gefunden wurden, insbesondere zu Handschriften im heutigen Belgien? Vielleicht ist die Art und Weise wie Dahlhoffs die Melodien aufgeschrieben haben westfälisch, ganz sicher aber die Schreib­weise mancher französischer Titel. Erfreulich für uns heutige Westfalen ist jedoch, dass es mit der Sammlung Dahlhoff eine Menge Noten und anderes gibt, die eben hier in Dinker im Kreis Soest aufgeschrieben wurden. Gerade auch weil wir Volks-/Folkmusiker jahrelang glaubten es sei nichts überliefert. Was das mit Volksmusik zu tun hat? Zur Zeit der Dahlhoffs gab es diese Kategorie noch gar nicht. Den Begriff hat Herder erst Ende des 18. Jahrhunderts "erfunden". Bis dahin war alles einfach Musik und das was in den Dahlhoffschen Notenbüchern steht war die Pop-Musik der Zeit und der Gegend, also die Stücke, die man gerne hören wollte. Wie beliebt manche Stücke waren kann man in den Geigenheften sehen (Tanzsammlung Dahlhoff, Staatsarchiv), denn gerade dort gibt es sehr viele Doubletten, also Stücke die immer wieder aufgeschrieben wurden, manchmal genau gleich, manchmal aber auch variiert. Das hängt auch damit zusammen, so erzählte es mir ein befreundeter Musiker aus eigener Erfahrung, dass man beim Neuaufschreiben im persönlichen Notenheft nicht immer nochmal durchblättert, ob man dieses Stück schon mal aufgeschrieben hat.

Viele der Titel weisen auf die damals beliebten Tänze hin, besonders Menuette, Polonoisen, Täntze und Angeloisen. Man kann aber einen deutlichen Unterschied zwischen der Geigen- und der Orgelmusik feststellen. Auf der Orgel wurden gerne Märsche gespielt, sie eignen sich eben gut zur Begleitung in der Kirche. Die Geige war das transportable Instrument, mit dem man die Tänze begleiten konnte. Von den Tänzen, die vielfach aufgeschrieben wurden, sind bei einigen sogar noch Tanzbeschreibungen überliefert. Die kurze Melodie des Siebenschritt ist zweimal zu finden, heute gilt er meist nur als Kindertanz. Es gibt die Tanzbeschreibung einer Kegelquadrille aus Rhynern (ganz in der Nähe von Dinker) ohne überlieferte Melodie und bei Dahlhoff gibt es sie gleich sieben Mal als Königsquadrille. Kegelquadrillen sind Quadrillen (4-Paar-Tänze) mit einer Person (manchmal auch einem Paar) mehr, eben dem König. Dieser steht in der Mitte, so wie eben auch beim Kegelspiel, wechselt aber im Laufe des Tanzes, sodass immer ein anderer den König tanzt. "Schottschen Triller" wird heute noch von Trachtengruppen getanzt, auch er muss schon im 18. Jh. sehr beliebt gewesen sein, denn die Melodie kommt mehrfach vor, manchmal nur einfach als "Tantz".

Notenschlüssel

Durch die Transkription der Tanzsammlung habe ich ja schon einige Übung, aber so einfach war es dann doch nicht: da habe ich gleich die erste Aria aus dem Buch von 1759 spielen wollen und die klingt so merkwürdig... Was ist das denn für ein merkwürdiger Schlüssel da vorne dran? Konnte Dahlhoff keinen ordentlichen Violinschlüssel schreiben? Merkwürdig, der Bass ist im heute üblichen F-Schlüssel notiert und sagt, dass Stück wäre in C-dur! Was ich für ein #-Vorzeichen im oberen System hielt war Teil des Schlüssels. Heute wird der Sopranschlüssel nicht mehr allgemein benutzt, war aber damals einer der üblichen Notenschlüssel. Wir könnten uns vorstellen, dass er aus der Mode kam weil er nach oben oft sehr viele Hilfslinien braucht, was das lesen nicht erleichtert. Der Sopranschlüssel ist zum Violinschlüssel um 2 Stufen versetzt. (Danke an Prof. Veit und andere)